Bereitstellungszinsen – so vermeiden Sie diese Mehrkosten

BereitstellungszinsenIm Rahmen der Immobilienfinanzierung gibt es einige Kosten, die praktisch auf jeden Kreditnehmer zukommen. Dazu gehören insbesondere die Darlehenszinsen, die bei jeder Art von Immobiliendarlehen anfallen. Mitunter fallen zudem weitere Kosten an, wie zum Beispiel Schätzkosten für die Bewertung der Immobilie, Kontoführungsgebühren oder auch die nicht außer Acht zu lassenden Kauf- bzw. Baunebenkosten. Darüber hinaus gibt es allerdings auch einige Kostenfaktoren, die lediglich in Abhängigkeit von einem bestimmten Verhalten auftreten. Dazu zählt beispielsweise die Vorfälligkeitsentschädigung, die der Kreditnehmer unter der Voraussetzung zahlen muss, dass er den Immobilienkredit innerhalb der vereinbarten Zinsfestschreibungsdauer kündigt. Ein anderer derartiger Kostenfaktor sind die Bereitstellungszinsen, mit denen wir uns im folgenden Ratgeber näher beschäftigen möchten.

Worum handelt es sich bei den Bereitstellungszinsen?

Bereitstellungszinsen sind deutlich von den gewöhnlichen Darlehenszinsen zu unterscheiden, denn sie fallen nur unter bestimmten Voraussetzungen an. In erster Linie kommen Bereitstellungszinsen zum Tragen, wenn Sie sich für den Bau einer Immobilie entscheiden, die im Zuge der Baufinanzierung finanziert werden soll. Seltener sind Bereitstellungszinsen hingegen unter der Voraussetzung von Bedeutung, dass Sie sich für den Kauf eines fertigen Hauses entscheiden. Der Grund besteht darin, dass Sie beim Kauf einer Immobilie für gewöhnlich den Kredit erst kurze Zeit vor dem Abschluss des Kaufs aufnehmen. Sie erhalten demzufolge von der Bank die gewünschte Darlehenssumme und transferieren diese bereits wenige Wochen oder sogar Tage später an den Verkäufer der Immobilie.

Beim Bau eines Hauses ist es demgegenüber oftmals so, dass Sie zu Beginn nur einen Teil der Kreditsumme abrufen. Meistens wird nämlich je nach Baufortschritt gezahlt, sodass sich die gesamte Darlehenssumme unter Umständen in drei, vier oder noch mehr abrufbare Teilbeträge gliedert. Exakt dieser – zumindest in Teilen – verspätete Abruf der seitens der Bank zur Verfügung gestellten Kreditsumme ist die Grundlage dafür, dass nicht wenige Banken Bereitstellungszinsen berechnen.

In einem Satz zusammengefasst handelt es sich bei den Bereitstellungszinsen demzufolge um eine Art Strafzins, den Sie oftmals dann an den Kreditgeber zahlen müssen, wenn Sie nicht innerhalb einer gewissen Frist den gesamten Darlehensbetrag zur Verfügung haben wollen bzw. abrufen. Welchen Zeitraum diese Frist beinhaltet, entscheidet jeder einzelne Bank selbst. Für gewöhnlich berechnen die meisten Kreditinstitute dann Bereitstellungszinsen, wenn zwischen Bereitstellung der Darlehenssumme und dem Abruf des Kreditbetrages mindestens drei bis sechs Monate vergangen sind. Diesbezüglich besteht allerdings oftmals ein gewisser Verhandlungsspielraum, sodass Sie mit etwas Geschick im Prinzip unnötige Kosten in Form der Bereitstellungszinsen durchaus vermeiden oder zumindest reduzieren können.

Wie hoch sind die Bereitstellungszinsen?

Berechnung BereistellungszinsenJedes Kreditinstitut kann nicht nur selbst entscheiden, ob und nach welchem Zeitraum es Bereitstellungszinsen berechnet. Darüber hinaus gibt es keine festen Zinssätze oder gar gesetzliche Regelungen, die vorschreiben würden, wie hoch die Bereitstellungszinsen sein dürfen bzw. müssen. Aus diesem Grund macht es auf jeden Fall Sinn, dass Sie einen Vergleich zwischen den Anbietern durchführen, falls Sie bereits bei Inanspruchnahme des Kredites absehen können, dass Sie die gesamte Darlehenssumme voraussichtlich nicht innerhalb der nächsten Monate abrufen werden. In diesem Fall sollten Sie sich bei mehreren Banken erkundigen, wie hoch im Fall des Falles die Bereitstellungszinsen sind.

Trotzdem es keinen einheitlichen Zinssatz bei den Bereitstellungszinsen gibt, existieren natürlich Erfahrungs- und Durchschnittswerte. Sie können daher grob kalkulieren, dass die Banken durchschnittlich zwischen 0,25 und 0,35 Prozent für jeden Monat an Bereitstellungszinsen berechnen, an dem Sie das zur Verfügung gestellte Kapital „verspätet“ abrufen. Nehmen Sie also beispielsweise einen Kreditbetrag in Höhe von 200.000 Euro auf, könnte die Rechnung bezüglich der Bereitstellungszinsen wie folgt aussehen:

  • Darlehenssumme: 200.000 Euro
  • Bereitstellung per: 15.10.2018
  • Bank berechnet Bereitstellungszinsen nach Ablauf des dritten Monats
  • Abruf der Darlehenssumme: 15.3.2019
  • Bereitstellungszinsen: 0,30 Prozent pro Monat
  • Zu zahlende Bereitstellungszinsen: 1.800 Euro

Im vorliegenden Fall berechnet die Bank also ab dem vierten Monat nach Bereitstellung des Kredites die Bereitstellungszinsen, falls die Darlehenssumme noch nicht abgerufen wurde. Im Beispielfall erfolgt der Abruf erst nach sechs Monaten, sodass Sie für insgesamt drei Monate Bereitstellungszinsen zahlen müssen. Auf Grundlage des Bereitstellungszinsen in Höhe von 0,30 Prozent und der Darlehenssumme in Höhe von 200.000 Euro ergibt sich so eine Zinssumme von insgesamt 1.800 Euro. An dieser Stelle ist nun die Frage, ob eine Möglichkeit besteht, diese Bereitstellungszinsen zu entgehen oder zu mindestens einen geringeren Betrag zahlen zu müssen.

Wie lassen sich Bereitstellungszinsen am besten vermeiden?

Es gibt grundsätzlich mehrere Wege, wie Sie das Zahlen von Bereitstellungszinsen vermeiden oder die Zinssumme zumindest reduzieren können. Ein probates Mittel besteht – wie bereits kurz erwähnt – darin, beim Vergleich der Kreditangebote auch darauf zu achten, ab wann die Bank in welcher Höhe Bereitstellungszinsen berechnet. Hier kann es bereits ein entscheidender Unterschied sein, ob das Kreditinstitut schon nach Ablauf des dritten Monats ohne Abruf der Darlehenssumme Bereitstellungszinsen berechnet oder dies erst nach Ablauf von sechs Monaten geschieht.

Wenn Sie an dieser Stelle kalkulieren, dass Sie den gesamten Darlehensbetrag nach ca. 4-5 Monaten abrufen können, würde es sich anbieten, sich für die Bank zu entscheiden, bei der die Bereitstellungszinsen erst nach sechs Monaten berechnet werden. Allerdings müssen Sie zeitgleich natürlich auch auf die Höhe der Bereitstellungszinsen achten, wenn die Fristen der Banken identisch oder nahezu gleich sind.

Eine weitere Möglichkeit, wie Sie Bereitstellungszinsen verhindern können, die allerdings oftmals unterschätzt wird, sind Verhandlungen mit dem Kreditgeber. Da die Kreditinstitute weder dazu verpflichtet sind, Bereitstellungszinsen zu berechnen noch sich daraus überdurchschnittliche Erträge erhoffen, kann es mit etwas Verhandlungsgeschick gelingen, dass der Kreditgeber auf die Berechnung der Bereitstellungszinsen verzichtet oder zumindest den Zeitraum etwas verlängert, ab dem die Zinsen in Rechnung gestellt werden.

Besonders gute Karten hinsichtlich solcher Verhandlungen haben Sie dann, wenn Sie über eine sehr gute Bonität verfügen und vielleicht schon seit vielen Jahren eine positive Geschäftsbeziehung mit dem Kreditgeber pflegen.

Der beste Weg, um Bereitstellungszinsen zu vermeiden, besteht natürlich darin, dass Sie die zur Verfügung gestellte Darlehenssumme möglichst umgehend nach Bereitstellung tatsächlich abrufen. Selbst unter der Voraussetzung, dass Sie nicht sofort die gesamte Darlehenssumme transferieren müssen, beispielsweise durch das Zahlen des Kaufpreises an den Verkäufer der Immobilie, kann es lohnenswert sein, das Geld auf einer auf Ihrem eigenen Konto vorübergehend zu deponieren.

Dies kann geschehen, indem Sie den Betrag vom Kreditkonto abrufen und zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto zwischen parken. In diesem Fall können Sie zumindest den zu zahlenden Bereitstellungszinsen entgehen und für das Guthaben erhalten Sie vielleicht sogar einen geringen Zins.

In der Übersicht sind es demzufolge insbesondere die folgenden Maßnahmen, durch die Sie unnötige Kosten in Form der Bereitstellungszinsen mit etwas Geschick einsparen können:

  • Angebote der Banken hinsichtlich Bereitstellungszinsen vergleichen
  • Mit dem Kreditgeber verhandeln
  • Kreditsumme möglichst umgehend nach Bereitstellung abrufen

Fazit zu den Bereitstellungszinsen

Die Bereitstellungszinsen sind ein Kostenfaktor, der insbesondere im Rahmen der Baufinanzierung von Bedeutung ist, wenn Sie den Bau einer neuen Immobilie finanzieren möchten. In diesem Fall findet der Abruf des Darlehensbetrages nämlich häufig nach und nach (nach erfolgten Bauabschnitten) statt. Um die Bereitstellungszinsen zu vermeiden, bietet es sich an, mit der Bank zu verhandeln oder gezielt einen Anbieter zu wählen, der entweder geringe Bereitstellungszinsen veranschlagt oder bei dem die Berechnung beispielsweise erst nach sechs Monaten beginnt. Aber auch das Zwischenparken des Darlehensbetrages auf einem separaten Konto, beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto, kann eine Lösung sein.