Fremdwährungskredit eine Alternative zum Hypothekendarlehen? Darauf müssen Sie achten!

FremdwährungskreditEine Immobilienfinanzierung lässt sich im Allgemeinen sehr flexibel gestalten, denn es gibt mehrere Darlehensarten, die in die Finanzierung integriert werden können. Zwar wird nach wie vor das Annuitätendarlehen mit Abstand am häufigsten als tragende Säule der Baufinanzierung genutzt, aber dennoch gibt es auf der anderen Seite einige Darlehen, die entweder alternativ oder ergänzend mit in die Finanzierung eingebunden werden können. Dazu gehören neben dem Tilgungsdarlehen, dem endfälligen Darlehen und dem KfW-Kredit sowie einem möglichen Bauspardarlehen auch sogenannte Fremdwährungskredite. Wir möchten uns im folgenden Beitrag damit beschäftigen, ob Fremdwährungsdarlehen eine Alternative zum klassischen Hypothekendarlehen sein können und worauf Sie vor dem Abschluss eines solchen Kredites achten sollten.

Worum handelt es sich bei einem Fremdwährungskredit?

Die wesentliche Eigenschaft eines Fremdwährungskredites lässt sich bereits aus der Bezeichnung erkennen. Es handelt sich dabei um ein Darlehen, welches aus Sicht des Kreditnehmers in einer fremden Währung vergeben wird. In aller Regel werden solche Fremdwährungsdarlehen im Rahmen einer Immobilienfinanzierung eingesetzt und ersetzen dabei das klassische Hypothekendarlehen in Gänze. Die am häufigsten genutzten Fremdwährungskredite werden aus Sicht eines deutschen Kreditnehmers in der folgenden ausländischen Währung vergeben:

  • US-Dollar
  • Britisches Pfund
  • Schweizer Franken

Dachstuhl beim HausbauIm Zusammenhang mit dem Fremdwährungsdarlehen ist es wichtig zu wissen, dass nicht nur die Auszahlung der Darlehenssumme in einer fremden Währung stattfindet bzw. der entsprechende Währungsbetrag in Euro umgerechnet wird. Gleiches gilt in aller Regel auch für die Rückzahlung des Fremdwährungskredites. Wenn Sie sich also beispielsweise für ein Fremdwährungsdarlehen in US-Dollar entscheiden, wird die Darlehenssumme in US-Dollar ausgezahlt (auch wenn auf Ihrem Konto durch die Umrechnung in Euro eine Gutschrift in Euro erfolgt) und zum anderen müssen Sie den Fremdwährungskredit bei Fälligkeit ebenfalls in US-Dollar zurückzahlen. Es ist also in beiden Fällen (Kreditauszahlung und Kreditrückzahlung) ein „Umtausch“ des US-Dollars in Euro notwendig. Genau auf dieser Grundlage funktioniert auch das Fremdwährungsdarlehen, denn der wesentliche Unterschied zum Hypothekendarlehen soll eben darin bestehen, dass durch die Umrechnung in eine Fremdwährung im Idealfall Währungsgewinne entstehen.

Wie funktioniert das Fremdwährungsdarlehen im Detail?

Fremdwährungskredit AblaufDie Funktionsweise eines Fremdwährungskredites ist relativ einfach zu erläutern. Zunächst einmal beantragen Sie bei einer Bank den Fremdwährungskredit, sodass es keinen Unterschied zur Beantragung eines gewöhnlichen Hypothekendarlehens gibt. Allerdings sollten Sie beachten, dass ein Vergleich der Angebote deshalb etwas komplizierter es, weil bei Weitem nicht alle Kreditinstitute einen Fremdwährungskredit anbieten, die auch einen gewöhnlichen Hypothekenkredite zur Verfügung stellen. Trotzdem ist der Vergleich der Angebote natürlich wichtig, wobei es unter anderem auch darum geht, dass Sie sich für die „beste“ Fremdwährung entscheiden.

Nachdem Sie einen Fremdwährungskredit gewählt haben, findet seitens des Kreditgebers die übliche Bonitätsprüfung statt. Wird Ihr Antrag genehmigt, wird im Normalfall recht zügig die Gutschrift des Darlehensbetrages auf Ihr Girokonto vorgenommen. Dabei ist bereits eine Umrechnung der Fremdwährung erfolgt, sodass die Gutschrift natürlich in Euro vorgenommen wird. Alternativ gibt es manchmal die Gelegenheit, dass Sie neben dem Fremdwährungskredit auch ein Fremdwährungskonto eröffnen. In dem Fall kann die Gutschrift des Darlehensbetrages dann tatsächlich auch in der Fremdwährung vorgenommen werden.

Ein wichtiges Merkmal des Fremdwährungsdarlehen besteht zudem darin, dass es sich dabei fast ausschließlich um ein sogenanntes endfälliges Darlehen handelt. Dies bedeutet, Sie Zahlen während der Laufzeit nur die Zinsen, die Tilgung jedoch erfolgt in einer Summe am Laufzeitende. Ob die Zinszahlung in Euro oder der Fremdwährung erfolgen muss, ist von Angebot zu Angebot unterschiedlich. Am Ende der Laufzeit müssen Sie jedenfalls die aufgenommen Darlehenssumme in der entsprechenden Fremdwährung wieder zurückzahlen, sodass es bei einem Fremdwährungsdarlehen in aller Regel notwendig ist, die während der Laufzeit nicht stattfindet Tilgung dadurch zu ersetzen, dass Sie beispielsweise Monat für Monat Geld in einen Sparvertrag oder eine Kapitallebensversicherung fließen lassen.

Wann ist der Abschluss eines Fremdwährungskredite sinnvoll?

Nachdem Sie nun wissen, worum es sich beim Fremdwährungsdarlehen handelt und wie dieses funktioniert, stellen Sie sich voraussichtlich die Frage, in welcher Situation der Fremdwährungskredit überhaupt Vorteile gegenüber dem klassischen Hypothekendarlehen haben kann. Tatsächlich ist es in der aktuellen Niedrigzinsphase eher selten, dass der Fremdwährungskredit die bessere Alternative ist. Der Grund besteht vorrangig darin, dass die Hypothekenzinsen innerhalb Deutschlands und in weiten Teilen der EU so niedrig sind, dass es kaum andere Länder gibt, in denen sich die Bauzinsen auf einen noch geringeren Niveau bewegen. Der geringere Zinssatz ist aktuell also in den mit Abstand meisten Fällen kein Argument für ein Fremdwährungsdarlehen. Anders sähe es natürlich aus, wenn wir in Deutschland eine Hochzinsphase hätten und es daher einige andere Länder geben würde, in denen sich die Zinsen auf einem niedrigen Niveau bewegen würden. Dann könnte es alleine vor diesem Hintergrund sinnvoll sein, dass Sie sich für ein Fremdwährungsdarlehen entscheiden.

Es gibt beim Fremdwährungskredit zur Immobilienfinanzierung allerdings noch einen zweiten Gedanken, der diese Darlehensalternative sinnvoll machen kann. Aufgrund der Tatsache, dass zwischen Auszahlung der Darlehenssumme und Rückzahlung nicht selten 10, 20 oder noch mehr Jahre liegen, wird es in dieser Zeit natürlich mitunter erhebliche Veränderungen innerhalb des entsprechenden Währungskurses geben. Exakt diese Veränderung des Devisenkurses, beispielsweise Euro / US-Dollar, kann dazu führen, dass Sie bei Rückzahlung des Fremdwährungskredites entweder einen Währungsgewinn erzielen oder eine.n Währungsverlust erleiden. Entscheidend dafür ist, in welche Richtung sich der Devisenkurs während der Laufzeit des Darlehens entwickelt hat.

Da es nicht ganz einfach verständlich ist, wie sich die Veränderung des Devisenkurses auf den Darlehensbetrag auswirkt, den Sie zurückzahlen müssen, möchten wir dazu anhand zweier Beispiele eine Gegenüberstellung vornehmen. Im ersten Beispiel hat sich der Devisenkurs für den Kreditnehmer positiv entwickelt, im zweiten Fall negativ. Im jeweiligen Beispiel gehen wir davon aus, dass sich der Kreditnehmer für ein Fremdwährungsdarlehen in US-Dollar entscheidet, sodass der Devisenkurs Euro / US-Dollar betrachtet wird.

Beispiel 1:

Gewünschter Darlehensbetrag: 150.000 US-Dollar

Devisenkurs zum Zeitpunkt der Darlehensaufnahme: 1,16 Dollar/Euro

Gutschriftsbetrag: 129.310 Euro

Devisenkurs zum Zeitpunkt der Darlehensrückzahlung: 1,29 Dollar/Euro

Rückzahlungsbetrag: 150.000 US-Dollar

Rückzahlungsbetrag in Euro umgerechnet: 116.279 Euro

Währungsgewinn: 23.031 Euro

 

Beispiel 2:

Gewünschter Darlehensbetrag: 150.000 US-Dollar

Devisenkurs zum Zeitpunkt der Darlehensaufnahme: 1,16 Dollar/Euro

Gutschriftsbetrag: 129.310 Euro

Devisenkurs zum Zeitpunkt der Darlehensrückzahlung: 1,07 Dollar/Euro

Rückzahlungsbetrag: 150.000 US-Dollar

Rückzahlungsbetrag in Euro umgerechnet: 140.186 Euro

Währungsverlust: 10.876 Euro

An diesem Beispiel erkennen Sie deutlich, dass Sie im ersten Fall aufgrund der günstigen Entwicklung des Devisenkurses einen Währungsgewinn erzielen würden. Sie müssen dann bei dem Fremdwährungskredit einen geringeren Betrag zurückzahlen, als Sie zuvor aufgenommen haben. Genau gegenteilig verhält es sich allerdings, wenn sich der Devisenkurs in einer ungünstige Richtung bewegt. Exakt diese Tatsache macht das Fremdwährungsdarlehen zu einem vergleichsweise risikoreichen Immobilienkredit. Da Sie weder Einfluss darauf haben noch wissen, wie sich der Devisenkurs einer Währung gegenüber dem Euro beispielsweise innerhalb der nächsten zehn oder 20 Jahre entwickelt, ist es mit einer großen Unsicherheit behaftet, welchen Darlehensbetrag Sie bei Fälligkeit des Fremdwährungsdarlehen zurückzahlen müssen. Aus diesem Grund ist das Fremdwährungsdarlehen im Prinzip nur für risikobewusste Kreditnehmer geeignet.

Fazit: zwei mögliche Vorteile beim Fremdwährungskredit

In der Zusammenfassung gibt es zwei mögliche Vorteile beim des Fremdwährungskredites gegenüber dem Hypothekendarlehen, die allerdings zumindest hinsichtlich der Währungsspekulation auch zu einem echten Nachteil werden können. Ein möglicher Vorteil besteht darin, dass der Zinssatz im Land der Fremdwährung geringer ist als in Deutschland, sodass Sie beim Fremdwährungskredit zunächst einmal geringere Zinsen als beim klassischen Hypothekendarlehen zahlen müssen. Ob dieser Vorteil besteht oder nicht, können Sie natürlich bereits im Vorfeld des Darlehens klären. Ein zweiter möglicher Vorteil sind Währungsgewinne, die beim Fremdwährungskredit entstehen können. Diese Währungsgewinne sind allerdings keineswegs sicher, sondern es kann schnell die Situation eintreten, dass aus den geplanten Währungsgewinne größere Währungsverluste entstehen. Aus diesem Grund ist das Fremdwährungsdarlehen als Alternative zum klassischen Hypothekendarlehen auch nur für Kreditsuchende geeignet, die dazu bereit sind, ein gewisses Risiko bei der Finanzierung einzugehen.