Hypothekenzinsen steigenVon einer signifikanten Veränderung am Markt für Hypothekenzinsen kann weiß Gott nicht die Rede sein, aber bekanntermaßen beginnt der längste Weg mit dem ersten Schritt. Ob es der erste Schritt ist oder nur ein kleiner Hopser, kann noch niemand vorhersagen, aber die Hypothekenzinsen habe von April 2015 auf Mai 2015 angezogen. Dieser Sachverhalt steht fest.

Fielen die aktuellen Hypothekenzinsen in der Zeit vom 9. auf den 23.4.2015 je nach Zinsbindungsdauer noch zwischen 0,1 und 0,02 Prozent, so stiegen sie im Mittel um 0,1 Prozentpunkte in der Zeit vom 23.4.2015 bis zum 7.5.2015 zwischen 0,05 und 0,13 Prozent.

Vor dem Hintergrund, dass eine 20jährige Zinsbindung immer noch für unter zwei Prozent zu haben ist, möchte man die aktuelle Veränderung als irrelevant abtun. Es gibt allerdings einige Kriterien, die durchaus dafür sprechen könnten, dass es zumindest der erste kleine Schritt in Richtung einer Zinssteigerung sein kann.

Zentralbankrat weiter optimistisch

euro zentralbankratMario Draghi und seine Kollegen aus dem Zentralbankrat zeigen sich optimistisch. Die Wachstumsprognosen der Eurozone für 2015 konnten um 0,2 Prozentpunkte nach oben korrigiert werden. Auch wenn Griechenland nach wie vor bei positiven Meldungen außen vor bleibt, verzeichnen die beiden Sorgenkinder Italien und Spanien erste Anzeichen einer Erholung.

Gerade die spanische Konjunktur zeigt deutliche Anzeichen eines Anstiegs. So scheint sich die Schattenwirtschaft, die im Jahr 2014 noch ein Volumen von fast 50 Prozent des offiziellen Bruttoinlandproduktes erzielte, langsam aus dem Schatten ins Licht zu begeben.

Der schwache Euro führt ebenso zu einem Anstieg der Produktion. Daimler Benz beispielsweise verzeichnete 2014 eines der erfolgreichsten Geschäftsjahre seit Bestehen. Der US-Markt boomt. Für die Bundesrepublik selbst stehen die Zeichen auch gut.

  • Steigende Nachfrage bedeutet auch steigende Preise
  • Steigende Preise bewirken inflatorische Tendenzen, die wiederum zu Zinserhöhungen führen!
  • Natürlich sind wir noch weit davon entfernt, von einer Inflationsgefahr zu sprechen.

Ein erster Erfolg wäre es, wenn die deflatorischen Tendenzen überwunden würden. Zinsprognosen sind grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, zu viele Unwägbarkeiten spielen hinein. Es gibt aber durchaus noch andere Indikatoren, die mittelfristig für einen Anstieg beim Baugeld sprechen.

USA erwarten Zinserhöhung

USA erwarten ZinserhöhungDie Mehrzahl der Experten erwartet noch im Jahr 2015 eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank FED-Bank. Nur ein geringer Teil sieht eine Erhöhung des Leitzinses erst im Jahr 2015. Die USA sind bei ihrer Wirtschaftspolitik nach wie vor nationalstaatlich, nicht wie die EU grenzübergreifend, ausgerichtet.

Die Entwicklung des US-Arbeitsmarktes im Jahr 2014 führte dazu, dass die FED-Bank ihre Anleihenrückkäufe vorzeitige einstellen konnte, die US-Automobilindustrie, eine der Schlüsselindustrien, bläst ebenfalls zum Gegenangriff auf die europäischen und japanischen Mitbewerber.

Tatsache ist, dass eine Zinserhöhung in den USA zu einem Mittelabfluss aus europäischen Anleihen bedeuten würde, da gerade institutionelle Investoren keine Probleme mit einer Umschichtung in höher verzinsliche Anleihen haben.

Eine Erhöhung der US-Zinsen könnte auch dazu führen, dass sich einige Investoren aus den europäischen Aktienmärkten verabschieden würden und die aufgelaufenen Gewinne realisieren könnten. Das wiederum hätte zur Folge, dass Aktien erst einmal nachhaltig nachgeben. Einige Experten sehen bereits die „Mutter aller Blasen“ auf die Aktionäre zukommen.

Aber wie mit den Zinsprognosen verhält es sich auch mit der Voraussage bei Börsen. Sie sind vage. Trotz aller ökonomischer Fakten und Chartanalysen machen die Börsen am Ende doch, was sie wollen. Das psychologische Momentum der Investoren ist mathematisch nicht kalkulierbar.

Unstrittig ist jedoch, dass eine Zinserhöhung in den USA früher oder später eine Anpassung des europäischen Leitzinses nach sich zieht. Nicht in diesem Jahr, dafür muss sich die Nachfrage und damit das Wachstum erst noch stabilisieren. Für 2016, spätestens im Jahr 2017 rechnen die Chefvolkswirte der großen Banken jedoch mit einer Umkehr der Zinspolitik Draghis.

Nach wie vor steht die Ukraine-Krise im Fokus. Auch wenn diese auf den ersten Blick nichts mit dem Baugeld in Deutschland zu tun hat, ist allgemein bekannt, dass regionale Krisen sich immer wieder in den Kapitalmärkten niederschlagen. Durch einen Dominoeffekt, begonnen bei der Öl- und Gasproblematik in Russland und der Ukraine, kann es am Ende dazu kommen, dass sich die Zinspolitik des europäischen Zentralbankrates ändern muss.

Niemand kann vorhersagen, welche Auswirkungen der Konflikt am Ende haben wird – eine weitere nicht kalkulierbare Größe bei der Betrachtung der Hypothekenzinsentwicklung.

Leitzins nicht absoluter Einflussfaktor auf aktuelle Hypothekenzinsen

Natürlich spielt der Leitzins eine Rolle auf die aktuellen Hypothekenzinsen – dass er aber nicht der ausschließliche Faktor ist, belegt die Zinskurve der Hypothekenzinsen. Das Auf und Ab muss also noch andere Gründe haben.

Einer dieser Gründe findet sich im Pfandbriefindex, kurz PEX. Dieser Index misst die Entwicklung der Renditen der in Deutschland emittierten Pfandbriefe. Pfandbriefe wiederum dienen der Mittelbeschaffung der Hypothekenbanken. Je höher der Zins der Refinanzierung ausfällt, um so teurer wird im Umkehrschluss das ausgereichte Baugeld.

Nun gelten Pfandbriefe in Deutschland als absolut sicher. Durch das fehlende Risiko, der Kurs preist dieses mit ein, liegen die Renditen natürlich unter denen einer griechischen Staatsanleihe. Dennoch kommt es zu Kursveräderungen der Papiere, die sich letztendlich wiederum auf die Zinsen für die Immobilienerwerber auswirken. Nach einem Absinken des PEX im April 2015 startet der Mai mit einer kontinuierlichen und stabilen Seitwärtsbewegung.

Bauzinsen Effektivzinssätze der Banken / Neugeschäft der Jahre 2008 bis 2015
Wohnungsbaukredite an private Haushalte, anfängliche Zinsbindung über 5 bis 10 Jahre

Hypothekenzinsen Entwicklung 2008 - 2015

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Fazit zur aktuellen Zinsentwicklung

Nichts Genaues weiß man nicht – so oder ähnlich könnte die Prognose zur Baugeld Entwicklung lauten. Dennoch sprechen einige Indizien dafür, dass es zu einem sehr langsamen Anstieg der Bauzinsen kommt.

  • Zinserhöhung in den USA
  • Konjunktur in Spanien und Italien erholt sich
  • Wachstumsprognosen für Eurozone erhöht
  • Schwacher Euro fördert Export
  • PEX im Mai mit Seitwärtstendenz

Für Immobilienerwerber ist kein Grund zur Eile geboten, noch sind die Zinsanpassungen marginal. Wer jedoch eine laufende Finanzierung bedient, die innerhalb der nächsten fünf Jahre endet, sollte sich einmal mit dem Thema „Forward-Darlehen“ vertraut machen und sich gegebenenfalls heute schon die Zinsen für die Anschlussfinanzierung sichern.